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ALPINEWS 05b/2024


Newsletter des Kölner Alpenvereins
    
 
ISSN: 1617-0563 / 277. Ausgabe / 26. Jahrgang
Köln, 14.05.2024

Liebe Leser*innen,

diese Ausgabe der ALPINEWS ist eine Sonderausgabe anlässlich der Europawahl.

Der Kölner Alpenverein und die Redaktion der ALPINEWS wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen dieser Ausgabe unseres Newsletters!

Inhalt
[ 01 ]  Erklärung des Kölner Alpenvereins
[ 02 ]  Europawahl: Für eine starke Demokratie in Europa
[ 03 ]  #natürlichwählen
[ 04 ]  Sektion Donauland: Ausgeschlossen 1924
[ 05 ]  Arsch huh für Demokratie

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[ 01 ]  Erklärung des Kölner Alpenvereins
Der Kölner Alpenverein setzt sich für eine offene, demokratische, vielfältige, inklusive und solidarische Gesellschaft ein, in der niemand zum Beispiel aufgrund der Hautfarbe, Herkunft oder Religion, des Geschlechts, der sexuellen Identität oder Orientierung sowie der sozialen Herkunft bzw. Status oder einer Behinderung ausgegrenzt oder benachteiligt wird. Uns ist ein respektvolles und friedliches Miteinander wichtig.

In einer Zeit, in der Rassismus, Antisemitismus, rechtspopulistische und rechtsextreme Strömungen erstarken, sehen wir es als unsere gesellschaftspolitische Verantwortung, uns klar zu positionieren und unsere demokratischen Werte zu verteidigen.

Für Offenheit, Vielfalt und Akzeptanz
Nie wieder ist jetzt!

Im Frühjahr 2016 hat der Kölner Alpenverein die Aufarbeitung des Themas Antisemitismus in seiner Vereinsgeschichte der Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert: Seit der Vereinsgründung 1876 hatten jüdische Mitglieder wichtige Funktionen inne, waren geachtet und im Vereinsleben aktiv. Ab den 1930er Jahren änderte sich dies allmählich. Der Verein ist mitgeschwommen, hat sich herausgehalten und gleichschalten lassen. Dies endete damit, dass Menschen jüdischen Glaubens die Mitgliedschaft verwehrt wurde. Der Verein, d.h. die Menschen, die ihn lenkten und die, die ihm angehörten, haben damals ihre jüdischen Mitglieder verraten und ausgegrenzt.

Was lernen wir daraus?

Wer sich nicht aktiv zu Akzeptanz und Offenheit bekennt, macht sich mitverantwortlich. Wer sich nicht gegen Hass, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit stellt, überlässt denen das Feld, die mit Angstmache, Lügen und Täuschungen die Leute um sich scharen.

Wir wollen klar Stellung beziehen und uns nicht heraushalten!

In unserer Satzung steht: "Die Sektion ist parteipolitisch neutral; sie vertritt die Grundsätze religiöser, weltanschaulicher und ethnischer Toleranz; sie steht ein für Diskriminierungsfreiheit, Vielfalt und Chancengleichheit aller."

Das sind für uns keine leeren Worte, sondern ein Anspruch!

Wir setzen uns für unsere Ziele im Großen wie im Kleinen ein: Zum Beispiel bei der verantwortungsbewussten Ausübung des Bergsports, dem Natur- und Klimaschutz, der Jugend- und Familienarbeit und der Erhaltung einer intakten Bergwelt. Dabei achten wir darauf, unseren gesellschaftlichen Werten und Grundsätzen, wie sie in Satzung, Leitbild und Grundsatzprogrammen festgeschrieben sind, treu zu bleiben. Wir sind allen gegenüber offen und heißen die herzlich willkommen, die sich sowohl mit unseren Zielen verbunden fühlen als auch dieselbe Akzeptanz, Vielfalt und Offenheit leben.

Es erschreckt uns, wie die Ängste und Sorgen der Menschen dazu missbraucht werden, um Fremdenfeindlichkeit und Hetze gegenüber Andersdenkenden mehrheitsfähig zu machen und die freiheitlich demokratische Grundordnung auszuhöhlen. Dies sehen wir nicht nur bei uns in Deutschland - diese Entwicklung ist vielerorts in Europa und Teilen der Welt anhand von Wahlergebnissen und den Aussagen der politisch Agierenden ablesbar.

Die Vergangenheit lehrt uns: Wegschauen ist keine Option!

Bei uns haben Ausgrenzung und Intoleranz nichts zu suchen. In einer Welt, die durch Kriege, Globalisierung und Klimawandel immer komplexer wird, können Kaltherzigkeit und Abschottung für uns keine Alternative sein.

Für uns Bergsportlerinnen und Bergsportler ist das Kennenlernen und Achten fremder Kulturen selbstverständlich. Dies setzt Offenheit und Akzeptanz voraus. Wir unterstützen daher ausdrücklich Mitmenschlichkeit, Chancengleichheit und Vielfalt bei uns und auch überall dort, wo wir als Sportler und Reisende unserem Hobby nachgehen.

Wir im Kölner Alpenverein

Köln, im Mai 2024

Die Aktualisierung der Erklärung aus dem Jahr 2016 wurde am 06.05.2024 durch den Vorstand einstimmig beschlossen.

Die Erklärung als PDF-Datei herunterladen: Für Offenheit, Vielfalt und Akzeptanz.

Näheres Informationen und die Pressemeldung dazu sind auf unserer Webseite zu finden.

[ 02 ]  Europawahl: Für eine starke Demokratie in Europa
    
 
Alle fünf Jahre haben wir in Europa die Möglichkeit, über die Wahl zum Europäischen Parlament an der Gestaltung der Zukunft der Demokratie in der Europäischen Union mitzuwirken. Das Europäische Parlament ist die einzige direkt gewählte transnationale Versammlung der Welt. Bei uns dürfen alle wählen, die am 9. Juni 2024 mindestens 16 Jahre alt und Staatsbürger*in in Deutschland sind.

Was macht das Europäischen Parlament: Gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten haben die Abgeordneten die Aufgabe, neue Gesetze zu gestalten und zu beschließen. Diese Gesetze betreffen sämtliche Bereiche des Lebens in der Europäischen Union, von der Unterstützung der Wirtschaft und dem Kampf gegen die Armut bis hin zu Klimawandel, Naturschutz und Sicherheit.

Quelle: elections.europa.eu

Was hat uns die Europäischen Union bisher gebracht: vor allem Frieden und Wohlstand - aber auch eine gemeinsame und stabile Währung, grenzenloses Reisen und einheitliche Standards für viele Bereiche des Lebens.

    
 
Leider gibt es erstarkende politische Kräfte in Europa, die die Europäische Union wieder abschaffen und zurück zur Nationalstaaterei wollen. Was dabei herauskommt, kann man am Beispiel Brexit sehen: Sinkende Löhne, steigende Preise und leere Regale. Dabei hängt in Deutschland jeder fünfte Arbeitsplatz von Europa ab!

Fakt ist: Bei einer Wahlbeteiligung von nur 50 Prozent verdoppelt sich das Gewicht jeder abgegebenen Stimme für rechtspopulistische, nationalistische oder rechtsextreme Parteien! Denn eins ist sicher: deren Sympathisanten werden ganz bestimmt zur Wahl gehen ...

Daher: Bitte geh auch du wählen und lasse sie damit nicht durchkommen!

Für eine starke Demokratie in Europa.

[kk]

[ 03 ]  #natürlichwählen
    
 
Der Deutsche Naturschutzring (DNR) ruft mit seiner Kampagne #natürlichwählen dazu auf, am 9. Juni bei der Europawahl für mehr Europa, mehr Demokratie sowie mehr Natur-, Tier- und Klimaschutz zu stimmen.

Der DNR fordert eine sozial gerechte Klima- und Umweltpolitik, in der durch eine sozial-ökologische Transformation für Wohlstand, Lebensqualität und eine gesunde Umwelt geschaffen wird.

Auf der Seite natürlichwählen.eu ist neben Infos zur Europawahl auch ein ausführlicher Parteien-Check zu finden. Dieser zeigt, wie die EU-Fraktionen und Parteien in der Vergangenheit für Belange des Klima-, Natur- und Umweltschutzes abgestimmt haben, um so die Wahlentscheidung zu erleichtern.

Als Mitglied im DNR und anerkannter Naturschutzverband in Deutschland und Österreich setzen sich der Deutsche Alpenverein und seine Sektionen für einen nachhaltigen und naturverträglichen Umgang mit dem Alpenraum und den Mittelgebirgen ein. Die Zukunft des Naturschutzes in den Alpen wird durch die Europawahl direkt mitbestimmt.

Quelle: natürlichwählen.eu


    
 
Auch der WWF, der World Wide Fund For Nature, hat ein Parteien-Ranking veröffentlich und schreibt: "Die Klima- und Artenkrisen bedrohen unseren lebendigen Planeten und damit unsere Lebensgrundlage.

Doch es braut sich was zusammen. Nach der Europawahl drohen ein Rechtsruck im Europäischen Parlament und damit einhergehend drastische Rückschritte beim Natur-, Umwelt- und Klimaschutz."

Die Natur hat keine Wahl. Du schon.

Quelle: wwf.de

[kk]

[ 04 ]  Sektion Donauland: Ausgeschlossen 1924
    
 
Die Sektion Donauland war eine 1921 in Wien gegründete Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuOeAV). Ihr gehörte neben der Glorer Hütte in der Glocknergruppe und dem Obertauernhaus auch das 1931 fertiggestellte Friesenberghaus in den Zillertaler Alpen.

Eduard Pichl, der Vorsitzende der Sektion Austria in Wien, setzte im Oktober 1921 einen sogenannten Arierparagraphen in seiner Sektion durch: "Mitglieder der Sektion können nur Deutsche, somit nur Arier werden." Etwa 2.000 jüdische Mitglieder traten daraufhin aus, auch etliche Nichtjuden verließen die Sektion, da sie die neue Ausrichtung nicht mittragen konnten und wollten.

Daraufhin wurde im gleichen Jahr die Sektion Donauland gegründet, in der sich viele ausgeschlossene Bergsteiger sammelten, unter anderem Viktor Frankl, Fred Zinnemann und Joseph Braunstein. Erster Vorsitzender der Sektion Donauland wurde der bekannte Bergsteiger und mit einer Jüdin verheiratete Karl Hanns Richter. Die Sektion entwickelte sich sehr gut und gewann stark an Mitgliedern. Im Jahr 1924 hatte sie 3.359 Mitglieder und wurde als achtgrößte Sektion im DuOeAV geführt, dabei waren etwa 20 Prozent der Mitglieder nicht jüdischen Glaubens.

    
 
Im Dezember 1924 gelang es der rechtsradikalen und antisemitischen Seite des DuOeAV, die Sektion Donauland auf einer außerordentlichen Hauptversammlung auszuschließen. Der Widerstand dagegen war nur schwach - lediglich die Sektionen Aachen, Barmen, Berlin, Essen, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Gummersbach, Leipzig, Mainz, Marburg, Zwickau und Gleiwitz (von insgesamt über 300) stimmten gegen den Ausschluss. Die Sektion Donauland wurde daher 1925 von ihren Mitgliedern in den Alpenverein Donauland umgewandelt.

Der Verein brachte auch große Bergsteiger hervor, wie etwa Rudolf Reif, dem zusammen mit seiner Frau Hedwig mehrere Erstbegehungen gelangen. Otto Marguelies, der 1917 bei einem Absturz ein Bein verloren hatte, gelang als Einbeinigen eine Reihe von Erstbegehungen. Er gilt als einer der Begründer des Behindertenbergsteigens.

Kurz nach dem "Anschluss Österreichs" wurde 1938 der Alpenverein Donauland von der GeStaPo aufgelöst. Die deutsche Wehrmacht beschlagnahmte daraufhin das Friesenberghaus und die Glorer Hütte wurde dem nun nationalsozialistisch gelenkten Deutschen Alpenverein übereignet.

1945 wurde der Alpenverein Donauland von wenigen überlebenden Mitgliedern wiedergegründet und der Besitz der Glorer Hütte und des Friesenberghauses erfolgreich eingeklagt. Die etwa 120 Mitglieder des Vereins waren nicht mehr in der Lage, das Friesenberghaus wie auch die Glorer Hütte auf Dauer zu erhalten. Der Verein löste sich ein Jahr nach dem Tod Karl Hanns Richters im Mai 1976 auf.

Quelle: Wikipediea

Der Alpenverein Südtirol, der Deutsche Alpenverein und der Österreichische Alpenverein erinnern und mahnen mit verschiedenen Aktionen und dem obigen Plakat an diesen dunklen Teil ihrer Geschichte, der sich heuer zum 100. Male jährt.

[kk]

[ 05 ]  Arsch huh für Demokratie
    
 
Das Bündnis Köln stellt sich quer und die Künstlerinitiative Arsch huh rufen zu Demonstration und Konzert gegen Rechtsextremismus auf, die Teil der bundesweiten campact-Kampagne "Rechtsextremismus stoppen - Demokratie verteidigen" ist.

Köln stellt sich quer ist ein gesellschaftliches Bündnis, gegründet 2008, dem neben Gewerkschaften, demokratische Parteien, Kirchen und Vereinen eine Vielzahl an Institutionen und Organisationen angehören - ebenso die Künstlerinitiative "Arsch huh" mit vielen Kölner Bands.

"Köln stellt sich quer steht für Demokratie, Weltoffenheit, Diversität und den Einsatz für Menschenwürde und Menschenrechte. Das ist gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je."

Wann: 1. Juni von 15 - 18 Uhr
Wo: Köln, Deutzer Werft

Quellen: kssq.de, arschhuh.de, rechtsextremismus-stoppen.de

[kk]

Impressum
Herausgeber: Deutscher Alpenverein, Sektion Rheinland-Köln e.V. (Kölner Alpenverein)
Redaktion: Sascha Bach [sb], Monique Heimann [mh], Matthias Josko [mj], Kalle Kubatschka [kk] (verantwortlich), Finja Laschet [fl], Sven Linnhoff [sl], Lena Markus [lm], Carola Niemann [cn], Hildegard Troske [ht], Axel Vorberg [av].
Redaktionsschluss für die Juni-Ausgabe: 20.05.2024
Kontakt: webmaster@alpinews.de
Web-Archiv/Newsletter abbestellen: www.alpinews.de
Auflage: 40.122 Empfänger

 
 



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